Nächster Stopp: Benin

Nicht nur 800 Kilometer, sondern auch ein verwunschener Wald und mystische Geschichten über Herrscher sowie Könige erwarten Patrick in Benin. Dem dritten Land auf seiner Westafrikatour, die er auf einem unserer Bambusräder beschreitet. Einem My Densu, Rennrad, dass für insgesamt 5.000 km Patricks treuster Freund und Begleiter sein wird. Den vorherigen Bericht über Togo findet ihr hier.

Und nun viel Spaß beim Lesen seines mitreißenden, vierten Reiseberichts!!

„Benin. Ehemals das Königreich Dahomey, bis die Europäer, besonders die Franzosen, sich das Land aneigneten. Ähnlich dünn und langgestreckt wie Togo, mein drittes Land auf meiner Tour.

Der Grenzübergang gestaltete sich extrem einfach, schon nach wenigen Minuten wurde ich durchgewunken und konnte auf guter Straße zu meinem ersten Ziel durchfahren: Der Stadt Ouidha. Ein kleiner Ort an der Küste berühmt für etwas, das viele Menschen lieber vergessen würden: Sklaverei.

Ein portugiesisches Fort war der Haupthandelspunkt für Sklaven die in Richtung Brasilien verschifft wurden. Heute dient es als Museum und Mahnmal. Eine 4 km lange sandige Straße führt von dem Fort zum Strand, zum "Gate of No Return". Ein riesiges Tor mit Reliefs die Sklaven und Händler zeigen, das Elend bevor sie für immer ihre Heimat verlassen, benannt nach der Tatsache, dass so gut wie keiner, der hier durchgeht, je seinen Kontinent wiedersehen wird.

Ein Anblick der nachdenklich macht. Gate of No Return.

Ebenso der Besuch in Ouidhas heiligem Wald voller Fetischen und Statuen die Voodoo-Götter darstellen. Mit meinem einarmigen Guide, der in gebrochenem Englisch die Geschichten und Mythen wiedergibt. Ein Baum, der über Nacht wächst.

Ein Gott, der andere, stärkere Götter durch List überwindet. Ein doppelköpfiger Geist, der Verrat übt. Ein König, gejagt von den portugiesischen Invasoren, der sich in einen Baum verwandelt. Vieles ist anders, aber doch bekannt aus europäischen Sagen und Religionen.

Der verwandelte König.

In Benin besuchte ich das erste Weltkulturerbe meiner Reise, die Königspaläste von Dahomey. Nur 130 km nördlich von Ouidha war dies mein zweiter Fahrtentag; dank Rückenwind und guten Straßen ging es schnell voran, es dauerte nur einen halben Tag um die Strecke zu machen.

Die Geschichte von Benin, bzw. Dahomey und deren Herrscher ist faszinierend. Ein kriegerisches Volk geführt von einem König, der seinen Palast immer an den Palast des Vorgängers anbaut. Noch heute hat Benin einen König, auch wenn er nicht offiziell in die Regierung eingreift. Über ein dutzend dieser Paläste bilden ein riesiges Areal, von dem einer besucht werden kann; mit Führer und ohne Fotos versteht sich.

Ich rate euch mehr darüber zu lesen aber nur kurz zusammengefasst: Menschenopferaltäre, ein Thron der auf menschlichen Schädeln steht, bunte Reliefs, Tempel deren Wände aus Lehm gemixt mit Blut gebaut sind, und mehrere Museen über die Werkzeuge, Kleidung, Geschichte und Bewaffnung der Stämme Benins. Durchaus einen Besuch wert und einer der interessantesten Orte meiner Reise. Vor allem Victor, der Guide, hat den Besuch zu etwas Besonderem gemacht.

König von Abomey.

Nach meinem Stop in Abomey ging es weiter nach Norden; auf leeren Straßen Richtung Parakou. Kleine Ortschaften, Trucks überladen mit Baumwolle und Tropenwetter, das langsam einer trockenen Hitze wich, waren meine Begleiter für die nächsten 400 km. Es wurde schwerer englischsprachige Menschen zu treffen; aber Zeichensprache spricht jeder, was vollkommen ausreicht um etwas zu Essen und Wasser zu organisieren.

Jetzt, wo ich mich von der Küste entferne, und damit auch von den Touristenzielen, werde ich auch ganz anders wahrgenommen. Nur wenige Besucher kommen in diese Gegend und ich sehe eine ganze Woche keinen anderen Weißen. Die Einwohner wohl auch nicht, da sie mich inzwischen nur noch Yovo, Weißer, rufen. Vor allem die Scharen an Kindern sind immer aufgeregt wenn ich vorbeifahre; es wird gelacht, geschrien und gewunken.

Patrick in Aktion auf seinem my Densu.

Die Fahrt nach Parakou geht recht ereignislos vorüber, gefolgt von fünf langen Tagen des Wartens auf mein Visum für Niger. Nachdem ich am ersten Tag die Stadt abgefahren habe, verbrachte ich den Rest mit Lesen. Dune, der Wüstenplanet. Erschien mir irgendwie passend, wenn ich bedenke, dass ich nach Norden in Richtung Sahel und Sahara unterwegs bin. Freundlicherweise brachte mir die Dame von dem Konsulat den Pass sogar vorbei, und mit meinem neuen Visum konnte ich wieder aufbrechen.

Meine Visa Nummer war... 006. Immerhin dieses Jahr schon die sechste Person die von hier nach Niger reist. Nur 300 km trennten mich von der Grenze. Der Wind hatte mich inzwischen verlassen, während die Temperaturen langsam auf 40°C geklettert waren. Glücklicherweise konnte ich den hohen Wasserbedarf leicht decken, da ich der Hauptverkehrsstraße folge und dort immer wieder kleinere Orte auftauchen, welche nicht mal auf meinem GPS verzeichnet sind.

Auch diese 300 km fuhr ich auf guter Straße, ohne Probleme, am Nationalpark W vorbei und bis zum großen Strom Niger, welcher die Grenze in das Land bildet, das seinen Namen teilt.“

 

Der nächste Post beschreibt Patricks Erfahrungen in Niger -  Viele Schlaglöcher und einem überraschend gut-verstecktem Restaurant voller Expats und UN-Arbeiter.

Mehr Impressionen und Informationen seiner Reisen erhaltet ihr auf seiner Website. Über Facebook erfahrt ihr alle brandaktuellen Neuigkeiten und könnt Patrick auf seinen abenteuerlichen Touren begleiten.

Wir wünschen euch und Patrick allzeit gute Fahrt und freuen uns schon riesig auf den kommenden Reisebericht :-)!

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