Ein Tandem aus Bambus

Ein Tandem aus Bambus? Das geht!

Ewa Gruszyk und Roland Kloss von crossover haben sich zum Ziel gesetzt die Welt ein Stückchen besser zu machen und mehr Menschen aufs Fahrrad zu bringen. Sie wollen dabei den Wandel der Transportsysteme zu einer ressourcen-, energieffizienten und lebenswerteren Mobilität anstoßen.

Ewa stammt gebürtig aus Polen, und studierte erst in Warschau deutsche Sprachwissenschaften, danach in Kaiserslautern und Wien Stadtplanung. Roland wurde in Österreich geboren und studierte erst in Graz und dann in Wien Umweltwissenschaften und Stadtplanung. In Wien lernten sich die beiden kennen und begannen schnell damit, gemeinsame Projekte zu planen.

Der Fahrradbeauftragte der Stadt Kiel Uwe Redecker und Roland Kloss mit ihren Bambusfahrrädern

Auf ihrer Projektliste stand auch eine Tour durch Europa, um für mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität zu sorgen. Ihre geplante Route umfasst 14 europäische Länder und misst mehr als 6.000 Kilometer, die auf einem selbst gebauten Bambus-Tandem zurückgelegt werden sollen. Die Route führt sie durch viele europäische Städte, in denen sie durch Workshops und Gespräche einen Wandel beim Thema Mobilität und Fahrrädern anregen wollen. Sie konzentrieren sich dabei auf Osteuropa, da die Städte dort die höchsten Motorisierungs- und Wachstumsraten Europas aufweisen. Das größte Ziel der beiden ist es, dem Trend entgegenwirken, dass das Auto immer mehr das Fahrrad ersetzt und als wichtiges Statussymbol gilt.

Der Kieler Bürgermeister Peter Todeskino zusammen mit Roland Kloss auf dem Bambus-Tandem

Auf ihrer Tour beziehen sie die Menschen, die sie treffen, aktiv in ihre Arbeit mit ein, indem sie Workshops geben und Interviews führen. Dabei machten sie auch einen Halt in Kiel und trafen den Kieler Bürgermeister Peter Todeskino und den städtischen Fahrradbeauftragten Uwe Redecker auf ein Interview. Hier könnt ihr einen Auszug aus dem Interview lesen:

Kloss: Wie bringen Sie die Kieler aufs Fahrrad?

Todeskino: Die Kieler aufs Fahrrad zu bringen ist uns recht gut gelungen. Wir haben zwar eine kleine Delle im Modal Split was den Radverkehrsanteil betrifft, wir lagen mal bei 23%, mit unseren Maßnahmen versuchen wir auf 25% hochzukommen. Nach der neuesten Berechnung liegen wir nun bei 17%. Wenn man den Binnenverkehr nimmt sind es 19%.  Wir haben viele Kampagnen gefahren, haben Radwege gebaut, Umsteiger am Bahnhof,…

Kloss: Wie sehen Sie die Zukunft der urbanen Mobilität?

Todeskino: Ich bin kein autoaffiner Mensch und fahre relativ wenig Auto, dennoch denke ich wird es in Zukunft das Auto geben, allerdings elektrisch oder mit Wasserstoff angetrieben. Ich glaube es wird eine Renaissance des Wasserstoff-Autos geben.

Dann stellt sich die Frage, fährt  jeder selber mit seinem eigenen Auto durch die Gegend oder nutzt man digitale Systeme …

Der Rest ist gebrochene Verkehre, d.h. man sieht das ja bei jungen Menschen die sich trampenderweise voran bewegen, wir haben Tramperstationen an der Autobahn aufgebaut. In unserer neuen Mobilitätsstrategie steht natürlich die Radverkehrsförderung im Mittelpunkt. Wir bauen unsere erste Fahrradautobahn, 3,6 km, das wird jetzt die Schnellbahn, d.h. ich bin innerhalb von 10 min an der Universität...

Wichtig ist auch die Renaissance der Straßenbahn bzw. der Stadt-Regionalbahn, wir haben ein neues Mobilitätskonzept mit regionaler Verknüpfung, denn mehr als 60.000 Einpendler verstopfen unsere Straßen.

Kloss: Gibt es langfristige Ziele die konkret den Radverkehr betreffen in quantitativen Zahlen?

Todeskino: 30% Radanteil bis 2025. Ambitioniert. Ich komme aus Münster wo ein Radverkehrsanteil von 46% herrscht. Es ist auch relativ hügelig hier.

Kloss: Gibt es Bemühungen seitens der Stadt den Autoverkehr zu reduzieren?

Todeskino: Kiel war sehr zerstört, zu 90%, man hat dann viel abgerissen und große Straßen durch die Stadt gezogen. Wir sind dabei den Autoverkehr nicht auszuschließen aber auf die Hauptverkehrsachsen zurückzudrängen. Aber ich halte nicht viel davon den Autoverkehr zu verdammen und da Fronten aufzubauen.

Redecker: Fahrradstraßen sind das Beste was wir anbieten können und wo wir vom Autofahrer maximalen Respekt erwarten können. Und wir versuchen natürlich Appetit aufs Radfahren zu machen, zum Strand mit dem Fahrrad zu kommen etc.

Kloss: Wie schaut’s mit fahrradfreundlichen Gebäuden aus?

Todeskino: Da sind zwei Herzen in meiner Brust. Ich stelle mein Fahrrad gerne in meine Wohnung und dort wo ich absteige. Ich halte diese ganzen Diskussionen für extra Parkmöglichkeiten für übertrieben, wenn sie in einem Gebäude sind ok.

Kloss: Wie sieht’s aus mit Vorgaben seitens der Stadt zu Mindeststellplatzraten?

Todeskino: Ja gibt’s, aber das ist Bundesverordnung.

Kloss: Z. B. wurde in Wien ein Gebäude mit zwei Fahrradabstellplätzen pro Person gebaut, dafür keine Tiefgarage.

Redecker: Ich hab den Eindruck bei den Gebäuden die gerade gebaut werden, bauen die Bauherrn alle freiwillig genügend Fahrradabstellplätze ein. Der Bedarf ist da und die Straßen sind voller Fahrräder.

[…]

Todeskino: Ich verstehe nicht wie eine Stadt mit einer historischen Altstadt es zulassen kann, diese mit Autos vollzustopfen.

 

Wir finden diese Aktion super und hoffen, dass es zukünftig mehr solcher mutigen Leute gibt, die sich einsetzen!

Schaut wie immer auch gerne auf Facebook vorbei. Wir wünschen eine gute Fahrt und bleibt gesund!

Euer Team von my Boo




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