Ein kleines Stück Heimat: Niger

Mit einem my Densu hat sich Patrick Martin Schröder auf eine abenteuerliche Reise durch Westafrika begeben. Insgesamt 5.000 km, mal hervorragend vorbildlich befestigte Straßen, mal Buckelpisten, mal im Nirgendwo verlaufende Straßen und mal chaotische städtische Straßen.

Schon seit 10 Jahren bereist er die Welt. Lernt Menschen, Kulturen und Natur kennen aber es gibt hinter jeder Ecke etwas Neues, noch nie erlebtes oder gesehenes. Großartig, dass Patrick uns an seinen Erlebnissen teilhaben lässt.

Dies ist bereits sein fünfter Reisebericht, über die Fahrt in und durch Niger. Den vorherigen Bericht über Benin findet ihr hier.

Und nun lassen wir Patrick erzählen:

Patricks Reiseroute durch Westafrika.

„Niger. Nicht zu verwechseln mit Nigeria, englischsprachig und berühmt für verstorbene, steinreiche entfernte Verwandte, die einem X-millionen Dollar vermachen, wenn man doch nur die Bankgebühren überweisen würde, sondern Niger, ein selten besuchtes und von der internationalen Presse scheinbar vergessenes Land. Steppe, Wüste und das Aiir-Gebirge sind Heim für eine größere Vielfalt als ich zuerst angenommen hatte.

Mein Besuch hier sollte etwas anders ausfallen als in den anderen Ländern der Reise, was zwar nicht so geplant war, aber dennoch Spaß gemacht hat. Zum einen bin ich weniger Rad gefahren, zum anderen habe ich mehr Zeit in einer richtigen Großstadt verbracht. Aber ich sollte wohl am Anfang beginnen.

An der Grenze wurde ich extrem höflich und neugierig von den Wachen in das Land gelassen, wo ich mich entschied nach einem Bus bis Niamey zu suchen. Bei meinen Vorbereitungen für die Reise ist Niger immer wieder als unsicheres Gebiet aufgetaucht, mit Boko Haram Rebellen die im Süden von Nigeria und Al Qaeda in Maghreb, welche von Norden aus der Sahara einreisen und, gelinde gesagt, Ärger machen.

Dazu das Restrisiko von Landminen. Da das Gebiet zwischen Grenze und der Hauptstadt sowohl unsicher als auch ziemlich leer und damit uninteressant war, wollte ich lieber mal die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Verrrückter Verkehr in Niamey.

Im Endeffekt vermutlich eine weniger glückliche Wahl, da ich mit dem Rad fast genauso schnell gewesen wäre. Ich habe zwar einen Bus gefunden, aber die Straßen sind die von Schlaglöchern übersät, dass er meistens nur 30 km/h fuhr und wild von links nach rechts schwenkte.

Bei den Schlägen wird man aus dem Sitz gehoben, ich hatte mehr blaue Flecken von der Busfahrt als durch den Rest der Reise, und (ich habe mitgezählt), dreizehnmal sind Gepäckstücke aus dem Stauräumen auf irgendwelche Leute gefallen, mich miteingeschlossen. Dazu die konstanten Militärcheckpoints, und ein Motorschaden am Bus der drei Stunden extra Wartezeit draufgepackt hatte, und schon wäre man mit dem Fahrrad tatsächlich schneller gewesen.

So erreichte ich Niamey erst mitten in der Nacht, was natürlich nicht die beste Zeit ist, wenn man alleine mit dem Rad durch eine unbekannte Stadt fährt und Unterkunft sucht. Glücklicherweise hatte ich eine katholische Mission auf meiner Karte markiert, wo man mich freundlich, wenn auch etwas verwundert empfing.

Ein Bett, eine Dusche, ein Moskitonetz, mehr brauchte ich nicht um endlich in den wohlverdienten Schlaf zu fallen. Erst am nächsten Tag hatte ich Zeit mich in der Stadt umzuschauen, aus der Mission auszuziehen und einen günstigen Campingplatz im Hinterhof eines Gasthauses zu finden.

Nationalmuseum Niger in Niamey.

Als ich dann endlich etwas Freizeit hatte, war mein erstes Ziel das Nationalmuseum, welches natürlich eine Mittagspause machte, als ich dort ankam. Allerdings traf ich dort zwei Expats, aus Holland und Spanien, welche für Save the Children in Niger waren. Man unterhielt sich und mir wurde ein Restaurant empfohlen, wo ich westliches Essen bekommen sollte, was schon eine ganze Weile her war.

Das Restaurant... ist dann eine Geschichte für sich. Unvorstellbar in der westlichen Welt, aber in Westafrika wohl business-as-usual, so gibt es hier versteckte Läden, Restaurants und Gasthäuser, die auf Werbung verzichten. Keine Markierungen, kein Name, kein Schild. Alleine Mundpropaganda ist genug. Ich fuhr also abends zu der Straße, die mir genannt wurde, nur um verwirrt mehrfach auf und ab zu radeln.

Hier gab es kein Restaurant... aber mehrere teure Autos geparkt neben drei Wachleuten. "vielleicht können die mir ja helfen" dachte ich, und frage nach... "Ja, das hier ist das Restaurant, herzlich willkommen" wurde mir gesagt, während sie mich zu einem großen, blauen Stahltor führten.

Dahinter eröffnete sich dann ein wunderschöner Innenhof mit Garten, Lichterketten, einer Bar und einer ganzen Menge Expats und UN Mitarbeiter. Die Gastgeberin, eine Inderin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, begrüßt mich direkt auf Deutsch.

Die Bedienung spricht Englisch. Es gibt Eiswürfel und eine Zitronenscheibe im Getränk und das Menü geht von Pizza bis hin zu Auberginengratin. Ich war, gelinde gesagt, etwas geschockt. Preise wie in der ersten Welt, Service wie in der ersten Welt, mitten in einem versteckten Restaurant in einer kleinen Gasse in Niamey, Niger. Sahelzone, so ziemlich mitten im Nirgendwo.

Sagen wir mal, ich war jeden Abend dort. Ein kleines bisschen Heimat, bevor ich wieder in Hitze und leere Straßen aufbreche auf dem Weg nach Burkina Faso. Weit ist die Strecke zur Grenze nicht, und in Erwartung der hohen Temperaturen bin ich abends aufgebrochen, um die erste Nacht durchzufahren somit der Sonne zu entgehen.“

Côté Jardin, das Restaurant ohne Werbung.

Patrick hat einen Koffer voller außergewöhnlicher Erlebnisse für uns, aus dem er wie Mary Poppins einen nach den anderen heraus zaubert. Wir erwarten voller Vorfreude die nächste Reise-Etappe, denn Patrick wird uns von seinen Erfahrungen in Burkina Faso berichten, wortwörtlich "das Land der ehrbaren Menschen", wobei er sowohl diese als auch deren Gegenteil hat kennenlernen dürfen.

 

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