An der Küste entlang: Patrick Martin Schröders Tour durch Togo

Für alle, die es noch nicht wussten, Patrick Martin Schröder fährt eines unserer Bambusräder, ein My Densu - Rennrad, 5000 km durch Westafrika. Dies ist der dritte Reisebericht seiner abenteuerlichen Tour. Mittlerweile befindet er sich in Togo, welches direkt an Ghana grenzt. Den vorherigen Bericht über Ghana findet ihr hier.

Das ist nicht Patricks erste Reise, denn er reist schon seit 10 Jahren mit dem Ziel jedes Land der Welt zu besuchen. Hauptsächlich mit dem Fahrrad unterwegs, ist er immer nah an Natur, Menschen und Kultur dabei. Keiner kann so fesselnd wie er selbst über seine Erfahrungen und Abenteuer berichten, also lassen wir Patrick erzählen:

Patrick vor dem Unabhängigkeitsdenkmal in Togo, Lome.

„Togo. Eines der kleinsten Länder in Afrika, ein winziger Streifen nur 100 km breit und 550 km hoch. Eine ehemalige deutsche Kolonie, die von Frankreich übernommen wurde, bevor sie nach der Zeit der Kolonialisierung unabhängig wurde. Seit dem herrscht die Familie Eyadéma. 40 Jahre lang regierte General Gnassingbé Eyadéma, der an zwei Militärputschen teilgenommen hat. Nach seinem Tod ist, überraschender Weise, sein Sohn als nächster Präsident gewählt worden, in einem nationalen Wahlbetrug der unter Unruhen über 400 Menschenleben gekostet und 40.000 Togolesen in das Ausland getrieben hat. Eines der weniger stabilen Länder auf meiner Reise.

Gemächlich fuhr ich über die Grenze von Ghana aus, wobei ein wenig Verwirrung entstand, da ich zwei Visa für Togo hatte, eines abgelaufen, eines neu, beide bis zu diesem Tag unbenutzt. Glücklicherweise ist etwas Verwirrung an afrikanischen Grenzposten gar nicht so ungewohnt, weder für mich noch die Soldaten, daher war dies eher ein kleines Problem.

Nach einer Stunde war ich dann aber im Land und fuhr nach Lome, der Hauptstadt. Hier gibt es seit vielen Jahren eine Institution für Overlanders: Das Le Galion. Der Gallier. Ein kleines Hotel mit Bar und Restaurant, das von einer Familie aus der französischsprachigen Schweiz geführt wird.

 Es war ein kurioser Anblick als ich dort ankam; jeder Tisch besetzt mit weißen Expats, die Paulaner trinken, im Fernsehen läuft Fußball, und auf der Speisekarte stehen Steak, Würstchen und Fritten. Ein kleines Stück Zuhause für jene, die sich entschieden haben ihr Leben in Westafrika zu verbringen oder doch zumindest für ein paar Jahre dort arbeiten.

Schöner und gefährlicher Strand in Lome.

Dies sollte auch mein Zuhause werden, zumindest für drei Nächte.

Lome selbst ist eine skurrile Stadt mit drei verschiedenen Arealen: Das Regierungsviertel, der Strandmeile und... dem Rest. Während die Gegend um Präsidentenpalast, Botschaften und teuren, ausländischen Hotels eher einer Geisterstadt glich, mit breiten Straßen und verwaisten Gehwegen, ist der Strand und die umliegenden Gegenden der Stadt voller Menschen. Am Ozean wird nicht nur gesonnt und geschwommen, wie sonst an einer beliebigen Promenade, sondern auch gekocht, geschlafen und gewohnt.

Die meisten Obdachlosen liegen hier unter den Palmen - leider ist die Gegend durch Raub und Diebstahl so gefährlich, dass einem praktisch jeder davon abrät zum Strand zu gehen. Vor allem nicht alleine oder gar nachts, selbst in meinem Zimmer hing an der Tür noch ein Hinweis: „Bitte nicht zum Strand gehen!“

Die meiste Zeit verbrachte ich also in der Innenstadt, auf Märkten und beim Herumschlendern. Geld wechseln und mit den Leuten reden. Es gibt außerdem den größten Fetischmarkt der Welt in Lome. Voodoo wird hier sehr ernst genommen und man kann jederlei getrocknete Tier-Teile erwerben um daraus Fetische zu bauen, sei es um jemanden zu verfluchen, Glück zu bringen oder zum Schutz.

In Togo musste ich eine Entscheidung treffen: Fahre ich bereits hier nach Norden, oder erst in Benin? Da ich noch Hoffnung hatte in Benin das Visum für Nigeria zu bekommen, entschied ich mich dafür an der Küste durch Togo durchzufahren und mit der Reise ins Inland bis Benin zu warten.

Was allerdings bedeutet, dass ich nur 100km zu fahren hatte, bis ich das nächste Land erreichte. Dennoch reichten diese für eines der Highlights der Reise aus: Ein anderer Radfahrer! Die einzige andere Person, die ich auf der gesamten Tour treffen sollte, die verrückt genug ist hier per Fahrrad umherzuradeln. Ein Spanier, der den ganzen Weg durch Marokko, Mauretanien und Senegal hier runtergekommen ist. Gerade seine Malaria auskuriert hat, die er sich in der Elfenbeinküste eingefangen hat, und ebenso wie ich, kein Visum für Nigeria bekommen sollte.

Wir sind einen halben Tag zusammengefahren, bis er sich entschied in einem Hotel an der Küste zu übernachten, während ich weiter Richtung Benin fuhr. Auch wenn das Treffen kurz war, so tat es unendlich gut zu wissen, dass es noch mehr von uns hier gibt.“

Bunt gemischter Markt in Lome.
Voodoo Gott.

Wir freuen uns mit dir Patrick, dass du auch so fern von der Heimat auf gleichgesinnte, verrückte Radler triffst und ihr gemeinsam durch Togo getourt seid.

In dem nächsten Reisebericht erwarten uns Patricks Erfahrungen in Benin. Nun verlässt er die Küste und wird in den Kontinent vordringen, wie spannend!

 

PS.: 148 Länder hat Patrick alias The World Bicyclist bereits besucht, mehr über seine Reisen könnt ihr auf seiner Website oder seiner Facebook-Seite erfahren.

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